Zufälle
(-> xytrblk | 21. Juli 2010/20:19) Zufall ist das, was einem so zu-fällt – wenn man überhaupt nicht damit rechnet. Dieses Überraschungsmoment ist es, was die Phantasie und die Kreativität beflügelt.
Deshalb stelle ich hier eine Liste von solchen Zufällen zusammen – als Anregung für andere Romanschreiber, sich eine ähnliche Liste zuzulegen.
Weshalb sollte man das tun?
Um das Gespür dafür zu schärfen, was geht in Erzählungen und was nicht. Nicht alles, was tatsächlich geschehen ist, wirkt in einer Geschichte auch überzeugend. Völliger Unsinn ist es, in einen verfahrenen Handlungsablauf am Schluss mit einem Zufall eine brauchbare Wendung herbeizuzwingen. Jeder Leser wird hier aussteigen und lamentieren:
“Deus ex machina!”
So nannte man das im griechischen Drama, wenn irgendein Gott (gr. theos – lateinisch deus) mit Hilfe einer Mechanik (ex machina) vom Himmel herabgelassen wurde und alles ins Lot brachte.
Nein: Zufälle muss man möglichst früh einführen. Dann kann auch der unwahrscheinlichste Zufall zumindest als plausibel akzeptiert werden.
Sind nicht die meisten Paarbeziehungen unserer Tage Ergebnis einer Zufallsbegegnung? Früher gab es überwiegend arrangierte Ehen, die genau dieses Zufallsmoment ausschalten sollten. Es sollten die besseren Ehen gewesen sein. Sagt man.
Die Physiker, überhaupt die Naturwissenschaftler halten nichts davon, dass man Zufällen einen tieferen Sinn unterlegt. Sie fangen an zu rechnen und halten uns dann entgegen, dass diese und jene Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis bestehe. Was irgendwie als Argument gegen einen tieferen Sinn solcher Ereignisse ins Feld geführt wird.
Als Psychologe interessiert mich natürlich etwas völlig anderes: Wie wirkt dieses Ereignis, das ich als überraschenden Zufall erlebe, auf mich?
Als Schriftsteller wiederum komme ich gar nicht darum herum, dem Zufall immer wieder eine wichtige Rolle zuzuschreiben. Nur plausibel muss sie sein und eben – Sinn machen!
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Begegnung im Coffee Baum zu Leipzig
Im Mai 1990 fuhr ich nach Leipzig zu einem Schreib-Seminar, dass das damals noch existierende Literatur-Institut “Johannes R. Becher” anbot. Es war ein sehr gutes Seminar. Noch wichtiger war für mich jedoch, endlich mal in meine Geburtsstadt Leipzig zu kommen. Bei dieser Gelegenheit besuchte ich natürlich auch alle möglichen interessanten Orte in dieser Stadt. “Auerbachs Keller” (wo ich einen Kurzroman über einen modernen Pakt mit dem Teufel zu schreiben begann). Das “Gohlieser Schlösschen” (wo 1939 meine Eltern geheiratet hatten). Und das weltberühmte Lokal “Zum Coffee Baum”.
Wen treffe ich dort im “Coffee Baum” zu meiner großen verblüffung, ohne jede Verabredung und nach Jahren ohne solche Treffen? Meinen ebenfalls in München wohnenden Freud Wolfgang Baum, den ich seit 1956 kenne (wo wir uns im Science-Fiction-Club rstmals trafen). Wir hatten uns aus den Augen verloren – dieses Zufallstreffen in Leipzig gab unserer früheren Beziehung wieder gute neue Nahrung, und zwar gerade wegen dieses wirklich verblüffenden Zufalls.
Und so kam es, aus dieser Zufallsbegegnung, mehr als ein Jahrzehn später, sogar dazu, dass ich in den Räumen der von Wolfgang Baum mit zwei Freunden begründeten Grafikdesign-Akademie U5 heute mit unserem TEAM die Seminare vom MINOTAUROS-PROJEKT durchführen kann!
Aus diesem Jahreskurs wiederum kam der letzte starke Anstoß, meinen eigenes Roman-Projekt Verschwörung der Anderen endlich fertigzustellen – und diese xytrblk-Website zu starten – in welche SIE gerade diese Zeilen lesen!
Zufälle gibt´s -
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Wie kam ich auf die Idee, die Liste der Zufälle anzulegen?
Natürlich durch einen Zufall.
Ich bekam vor einigen Tagen eine eMail von meinem Freund Jesco von Puttkamer, der zufällig (von seiner Seite aus natürlich geplant) in Wien zu Besuch war. Dass er dort auch den Jazzkeller (das bekannte Jazzland) von Axel Melhardt aufsuchte, war kein Zufall – denn die beiden sind sowohl Jazz-Fans wie Freunde der Science Fiction (haben früher sogar selbst SF geschrieben) und stehen seit Jahren auf Grund eben diesen gemeinsamen Interessen in Briefkontakt.
Zufall ist meinerseits, dass ich vor ziemlich genau einem Jahr ebenfalls in Wien war und Axel Melhardt dort im Jazland besuchte. Seit Tagen will ich für meinen Labyrinth-Blog einen Bericht über die labyrinthischen Katakomben und den gemeinsamen Besuch im Labyrinth von Schloss Schönbrunn schreiben. Jesco von Puttkamers eMail animierte mich nicht nur dazu, diesen Artikel endlich zu schreiben, sondern enthielt auch einen interessanten Link über einen wirklich abenteuerlichen Zufall – die Story des Monats Mai aus dem Jazzland!
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Auch das Kunstwort “xytrblk” hat übrigens mit dem Zufall zu tun
Zufällig heißt dieses Wort xytrblk in der Sprache der Bewohner von O°Thar – nichts anderes als – Zufall! (Aber das ist eine andere Geschichte – und die wird erst in Band Zwei meines Roman-Projekts erzählt.)
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Und hier die LISTE der “Zufälle”
° Eines der verrücktesten Beispiele dieser Art hat mit einer Erbschaft von ziemlich genau einer Million zu tun. Diese Erbschaft wurde angekündigt von jemandem, der ”Million” mit Nachnamen hieß, und kann hier nachgelesen werden: Spiel mit dem Zufall.
#127 (c) 21. Juli (31. Mai) 2010 Jürgen vom Scheidt / Quelle: xytrblk.com