WILLKOMMEN

(-> 0 BLOG | 7. Feb 2010/08:34) In diesem Blog schreibe ich online meinen Roman Verschwörung der Anderen. Gleichzeitig entsteht eine virtuelle Community mit anderen Autoren.

“Wir müssen uns Sisyphos als einen
glücklichen Menschen vorstellen.”
(Albert Camus)

Vorbemerkung (aktualisiert am 17. Mai 2010)

Ein Blog ist, wie jede Website, im Grunde genommen so etwas wie ein Buch. Zumindest was den Zeitaufwand und die Komplexität resp. die Themenvielfalt angeht. Beim Blog kommt noch der starke tagebuchähnliche Aspekt hinzu (wie sich schon aus der Ableitung des Begriffes Blog von WebLog = “Tagebuch im Internet” zeigt).

Ich habe diesen Beitrag, der eigentlich irgendwann im April 2010 erstmals formuliert und online gestellt wurde, bewusst an den Anfang dieses Blog zurückdatiert. Damit wird er gewissermaßen zur einleitung für dieses Blog-Buch.

Aus ähnlichen Gründen habe ich zwei weitere Einträge später hinzugefügt, weil sie für mich unabdinglich für ein Sachbuch sind: ZEITTAFEL und REGISTER:

° das REGISTER ist hier im Blog-Bereich nur als kurzer Text angeführt - mit Link auf den eigentlichen Standort (nämlich, blog-technisch ausgedrückt, im Bereich der SEITEN, also dem Content Management System dieser Website). 

° Die ZEITTAFEL des Blog-Bereichs bezieht sich auf die Entwicklungsgeschichte dieser Website resp. dieses Blogs; sie hat für mich aber auch eine gewissermaßen pädagogische Funktion: nämlich als Anregung für andere Autoren, dieses wertvolle Werkzeug für jeden Schreibenden nicht zu übersehen. Entsprechend gibt es eine zweite ZEITTAFEL zu meinem Roman-Projekt über die Verschwörung der Anderen.

Die Community der Roman-Autoren im Cyberspace (CRAC)

entsteht hier als Virtuelle RomanWerkstatt (mit derzeit fünf Mitgliedern / Stand: 30. April 2010). -

Zu meinem eigenen Roman-Projekt

Zunächst einmal schreibe ich diesen Roman und diesen ganzen Blog für mich selbst. Als Experiment. Aber das nicht minder spannende Experiment ist es, parallel dazu eine Community mit anderen Autoren aufzubauen. Das muss sich erst allmählich entwickeln.

Wer sich über das teils recht bunte Schriftbild wundert: Die Farben haben einen tieferen Sinn. Sie entsprechen einem FarbCode, der die verschiedenen Entwicklungsstufen und Arbeitsebenen eines Roman-Projekts widerspiegelt. Das ergibt dann so etwas wie eine Pipeline, in der die verschiedenen Entwicklungsstufen des Manuskripts weitergerreicht werden und der Text von einer Abteilung in die nächste wandert:

° Das beginnt im BLOG-Bereich, wo alles Material zunächst eingetragen wird.° Im 1 ATHANOR (zum Teil auch schon direkt im BLOG-Bereich) werden die handgeschriebene Texte mit Hilfe der DRAGON-Software diktiert und korrigiert.° Danach wird das Material überarbeitet und im 2 MANUSKRIPT zum Roh-Manuskript ergänzt und erweitert.° In der 3 ROMAN-Werkstatt gibt unser Roman-Coach und -Mentor xytrblk Ratschläge, falls möglich.° Anschließend werden sie – falls nötig – im 4 LOGBUCH kommentiert.° Auf der 5 meta-Ebene finden Sie schließlich noch ergänzendes Material.(Weitere Details unter Pipeline mit FarbCode.)

 

Da ich als Leiter von Roman-Werkstätten und anderen Schreib-Seminaren seit vielen Jahren daran gewöhnt bin,  meine Texte gewissermaßen coram publico*zu verfassen (ich schreibe nämlich selbst immer mit, um am kreativen Prozess der Gruppe möglichst intensiv beteiligt zu sein), ist mir dieses “öffentliche Schreiben” nicht fremd. Außerdem führe ich seit drei Jahren meinen Labyrinth-Blog und drei weitere Websites (s. die Hyperlinks in der rechten Randspalte, unten).
* Für Nicht-Lateiner wie mich: “im Herzen des Publikums”

Immer wieder wird mir die Frage gestellt, ob ich mir da nicht Unmögliches vorgenommen habe: Gewissermaßen live in aller Öffentlichkeit zu schreiben. Nun, das wird sich zeigen, ob es gelingt. Immerhin ist es mein fünfter Roman, den ich da angehe. Vier sind bereits veröffentlicht worden. Allerdings ist das schon eine Weile her:

1958: Männer gegen Raum und Zeit (geschrieben 1957 = Entwicklungszeit 1 Jahr)
1962: Sternvogel (geschrieben 1959 = Entwicklungszeit 3 Jahre)
1975: Der geworfene Stein (1. Teil begonnen 1963, beendet 1975 = Entwicklungszeit 12 Jahre)
1978: Rückkehr zur Erde (in Teilen begonnen 1956, beendet 1978  = Entwicklungszeit 22 Jahre)

Man sieht sofort, dass die Entwicklungszeiten immer länger werden. In dieses Muster passt mein aktuelles Roman-Projekt gut hinein: Ich habe es im Mai 1982 begonnen und hoffe, den ersten Band im November dieses Jahre 2010 beendet zu haben. Das entspräche dann einer Entwicklungszeit von 28 Jahren.

Es gibt bei mir allerdings noch längere Zeiten für diese Inkubations-Phase (wie die Kreativitätspsychologen das nennen): 1964 fiel mir in Wien der Titel für eine Kurzgeschichte ein: Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau. Sonst fiel mir damals nichts dazu ein. Ich wusste nur die ganze Zeit: Irgendwann werde ich da etwas zu Papier bringen. Tatsächlich geschrieben habe ich diese Story dann im Februar 1992. Veröffentlicht habe ich sie in meiner Anthologie gleichen Titels im April 2005. Das ergibt eine Inkubationszeit von satten 41 Jahren.

Noch eine Anmerkung für die DEnglish-Ideologen: Die gelegentlichen englischen und - sehr selten - lateinische Einsprengsel in meinem Blog dienen der Auflockerung. Warum soll ich sie unbedingt eliminieren, wenn sie mir im Verlauf des Schreibflusses einfallen? Warum soll ich meine bildungsbürgerliche Sozialisation verstecken? Ich kann mich doch nur dann ironisch darüber lustig machen, wenn ich sie zulasse.

Und überhaupt: Sie werden sich noch wundern, was man auf O°Thar für Ausdrücke und Redewendungen verwendet! Mein Datenbank O°Lexikon wimmelt nur so davon. Aber keine Bange: Ich bin von diesen Sprachspielen nicht so besessen wie J.R.R. Tolkien im Herr der Ringe* (welches Epos übrigens nicht mein Vorbild ist – ich schätze zwar sehr die Verfilmung durch Peter Jackson - aber die Buchversion habe ich nie gelesen, weil sie mir zu langweilig und – eben wegen der viel zu vielen Kunstwörter zu schwer lesbar erschien. Mea culpa, Tolkien-Fans!)

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Zur Navigation in diesem Blog

Etwas weiter unten in diesem Blog finden Sie die Farb-Codes, die Ihnen anzeigen, zu welcher der fünf Rubriken der jeweilige Eintrag gehört bzw. wo er später eingeordnet wird (vergl. Doppelte Buchführung). Hier wiederhole ich die Codes der Einfachheit halber:

grau = ATHANOR – eine Art Durchlauferhitzer, in dem die Roh-Texte diktiert und erstkorrigiert werden
grün = der eigentliche ROMANTEXT (der hier im Blog entsteht)
orange = KOMMENTARE zum Manuskript von Meister xytrblk aus der (Virtuellen) Roman-Werkstatt
blau = LOGBUCH des Autors
purpur = metaEbene

braun = FRAGEN aus Leser-Kommentaren, die von allgemeinem Interesse sind und den FAQ zugeordnet werden
schwarz = neutrale Notizen (nur für den Fortgang des Blogs wichtig – wie DIESER Eintrag)

rot = besonders wichtige Einträge

 

Links oben am Beginn der Einträge im Blog steht meistens ein Hinweis dieser Art:
 (-> 2 MANUSKRIPT | 18. April 2010/12:01)
 Das angegebe Datum stimmt dann nicht überein mit dem Datum, das der Blog automatisch für Einträge vergibt, wenn sie gepostet werden (= veröffentlicht im Web-Jargon). Der Grund ist einfach: Dieser Beitrag wurde zu einem früheren Datum als Entwurf geschrieben und erst später gepostet. Sobald neue Einträge darüber veröffentlicht worden sind, wandert dieser spezielle Eintrag irgendwann an den Platz des Original-Datums in der üblichen Chronologie des Blogs (= das Neuste immer obenauf). Dort wird er ohne Datum eingefügt und in [eckigen Klammern], sodaß der neue Vermerk lautet:  [-> 2 MANUSKRIPT] – das Datum ist dann ja am üblichen Platz zwischen Titel und Vorspanntext sichtbar.Wenn der Beitrag, der Doppelten Buchführung entsprechend, auch in der jeweiligen Rubrik vermerkt wird (in diesem Fall also in 2 MANUSKRIPT), fällt der Pfeil -> weg und man findet dort außer dem Titel nur noch den Vorspanntext sowie einen Internen Link, der auf den Original-Beitrag im Blog-Bereich verweist, wo man ihn immer lesen kann, in diesem konkreten Fall also (Beispiel):
Drachen:
 (-> 2 MANUSKRIPT | 13. April 2010/08:52) In meiner Geschichte spielen Drachen eine große Rolle. Das sind nicht die üblichen Drachen… 

  

Worum geht es bei diesem meinem Roman-Projekt?

Diese Virtuelle Roman-Werkstatt spiegelt gewissermaßen “eins zu eins” das wider, was während des kreativen Prozesses beim Schreiben eines Romans geschieht: Die Einfälle – wenn sie denn sprudeln – sind ein buntes Durcheinander von (die verschiedenen Farben entsprechen dem Farbcode):

° Bildern und Szenen, die direkt zum Erzählfluss der Geschichte gehören;

° eher abstrakten Ideen von exposéartigem Charakter (wichtig, wenn man aus dem Erzählfluss rausfällt, aber die Geschichte dennoch am Laufen halten möchte);

° Überlegungen auf einer meta-Ebene (“Wie könnte ich meine Hauptfigur interessanter machen?” – “Wie könnte ich diesen Schauplatz noch farbiger gestalten?” – “Trägt das zum Verständnis der Motive des Widersachers bei?” – “Wie erzeuge ich Spannung – wie Interesse am Stoff?”);

° und schließlich persönlichen Gedanken des Autors, seinen Zweifeln, Hoffnungen und Blockaden.

 

All dies wirbelt…

… vor allem zu Beginn der Arbeit am Manuskript (oder beim Wiedereinsteigen nach längerer unterbrechung) wild durcheinander. Bis sich das Gewurrle allmählich beruhigt und man vom Erzählflusss mitgetragen wird. Ich habe mir angewöhnt, sehr früh am morgen meine Einfälle handschriftlich zu notieren (Meine Früh-Notizen nenne ich das – nicht zu verwechseln mit den Morgen-Seiten, welche meine Kollegin Julia Cameron propagiert*).
* In ihrem Ratgeber Der Weg des Künstlers empfiehlt Frau Cameron, jeden Morgen etwa drei Seiten zu schreiben, gleich was da kommt. Das habe ich jahrelang getan und irgendwann all diese Seiten weggeworfen. Ich betrachte es inzwischen als weit sinnvoller, dieses quasi Automatische Schreiben nur in Ausnahmefällen einzusetzen – nämlich nur dann, wenn einem gar nichts einfallen will. Sobald man jedoch ein konkretes Projekt wie einen Roman im Visier hat, sollte man stets diesem zuarbeiten und die morgendlichen Notizen gewissermaßen zum Warmschreiben einsetzen – aber stets in Hinblick auf das Projekt. Genau dies ist die Funktion der “Spalte 1″ meiner Vier-Spalten-Methode, die ich deshalb Begleitendes Logbuch nenne – mit Betonung auf (das eigentliche Projekt) begleitend.


Nach Yoga und Frühstück mit meiner Frau tippe ich kürzere Notizen ab – längere diktiere ich mit der DRAGON-Software meinem Computer. Diese Texte – mein Diktat und daneben die korrigierte Fassung – finden Sie jeweils zum Kapitel, an dem ich aktuell arbeite im 1 ATHANOR - das ist also eine Art Durchlauferhitzer für die Rohtexte.

Die im ATHANOR entandene Fasssung wandert anschließend in der Pipeline weiter in die Abteilung MANUSKRIPT. Bis das Kapitel nach mehrfachem Korrigieren und Überarbeiten für mein Dafürhalten fertig ist.

Anschließend begebe ich mich einen Zustand, den man als Schizophrenie bezeichnen könnte, der jedoch anabdingbar für den nächsten kreativen Prozess beim Schreiben ist: das Überarbeiten. Ich muss dazu meinen Zustand des naiv vor sich hinschreibenden Erzählers* verlassen, und sehr kritisch betrachten und kommentieren, was ich da geschrieben hab. Diesem Criticus und zugleich wohlmeinenden Persönlichen Autoren-Coach (PAC) habe ich den Kosenamen xytrblk verpasst – weil er mir hilft, den xytrblk-Zustand der kreativen Chaos allmählichen zu verlassen und in einen wohlgeordneten Kosmos eines fertigen Roman-Manuskriupts zu verwandeln. Wann immer es also in dieser Rubrik ROMAN-WERKSTATT heisst:  “xytrblk meint“, geht es um dieses Durch- und Überarbeiten des Rohmanuskripts. Man könnte das auch als einen Vorgange des Goldwaschens bezeichnen, bei dem der Text immer wertvoller wird, weil die Schlacken nach und nach verschwinden.
Ob mir das bei diesem Roman-Projekt gelingt, sei dahingestellt. Das entscheiden spätestens die Leser, wenn sie ihr Geld dafür beim Buchhändler auf die Ladentheke legen.
* Genau genommen sollte man ermöglichen, dass “die Geschichte sich selbst erzählt” und man lediglich notiert, wass sie einem “durchsagt”. Dies ist der Idealzustand beim Schreiben: dass es “wie von selbst schreibt, völlig absichtslos”. Man kann diesen Zustand ursprünglicher Naivität (wie sie einem beim Schreiben der allerersten eigenen Texte fast wie eine Gnade zufällt) durchaus auch später wieder erreichen. Der skeptisch-kritische Zweifler und unerbittliche Zensor ist natürlich auch nötig – aber bitte erst im zweiten und folgenden Durchgang!

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Anmerkung zu Kommentaren von Lesern dieses Blogs

Alle Kommentare werden von mir aufmerksam gelesen. Ich kann nicht auf alle eingehen. Was jedoch von allgemeinem Interesse in Hinblick auf Romanschreiben ist, beantworte ich und ordne es dann in den Häufig Gestellten Fragen (FAQ) ein.

Anonyme Kommentare lösche ich grundsätzlich, ebenso als SPAM erkennbares Zeug mit kyrillischen oder anderen kryptischen Zeichen und Inhalten. Wenn jemand gerne nur mit Pseudonym genannt werden möchte (warum eigentlich?), respektiere ich dies und verwende gerne dieses Pseudonym – aber ich zumindest möchte wissen, wer da kommuniziert.

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xytrblk meint:

Das Motto über diesem Beitrag ist ein übler Double-bind, der nur deine Ambivalenz dem Roman-Projekt gegenüber zum Ausdruck bringt! Entscheide dich, was du sein willst:
° “Sisyphos” (der ja nur unaufhörlich das Vergebliche versucht, wenn er diesen Felsbrocken den Berg hinaufwuchtet)
° oder “glücklicher Mensch” ?
jvs: Ich habe mich doch längst entschieden. Für “sowohl… als auch”. Alles andere wäre eine Illusion. Hat nicht Thomas Alva Edison irgendwann gesagt, sein Erfolg (sein Genie?) beruhe auf der Mischung von “5 Prozent Inspiration und 95% Transpiration?” That´s it: Glückliche Transpiration. Ein Genie muss man dazu nicht sein.

Bibliographie
Camus, Albert: Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde (Paris 195?). Hamburg1959-06 (rowohlts deutsche enzyklopädie)
Scheidt, Jürgen vom: Blues für Fagott und Zersägte Jungfrau. 24 Erzählungen. München 2005-04 (Allitera). 140 Seiten, € 12,90 – ISBN 3-86520-121-0

#61 (c) 17. Mai (7. Feb) 2010 Jürgen vom Scheidt / Quelle: xytrblk.com

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