Unterschied zwischen Fantasy und Science Fiction

(-> 5 meta-Ebene | 13. April 2010/13:01) Wenn man genau hinschaut, sind die Unterschiede zwsichen den beiden Genres gar nicht so gewaltig. Beide befassen sich mit dem – nach heutiger wissenschaftlicher Auffassung – Unmöglichen. Die SF bemüht sich immerhin darum, das (natur-)wissenschaftlich plausibel zu machen – was die Fantasy einfach so annimmt. Beispiel:

Harry Potter setzt sich auf seinen Nimbus 2000 und rast durch die Luft. Oder er spricht einen Fluch aus, der sich dann sehr drastisch beim Verfluchten auswirkt. Blödsinn, meint der Wissenschaftler. Gibt´s nicht: auf Besen reiten (Gravitationsgesetz!). Aber kommt das Fliegen mit einem Gleitfaltschirm dem nicht schon sehr nahe? Vor den Erfolgen der Gebrüder Wright galt doch auch das Eherne Gesetz, dass nichts, was schwerer als Luft ist, fliegen kann. Hummeln können das ja heute noch nicht, oder? (- ein schönes Beispiel aus dem Deutschen Museum). Und Heißluftballons?

Hatte eine Exkommunikation oder die Verbannung eines Menschen bei uns im Mittelalter nicht schwerste psychische und soziale Folgen für die Betroffenen? Oder der Bruch eines Tabus für den Tabubrecher in Polynesien?

Sagen moderne Ärzte nicht, dass (Mit-)Ursache der meisten (5000) bekannten Krankheiten psychische und soziale Störungen sind – die Sigmund Freud auf so etwas Ähnliches wie Flüche (nämlich gegen sich selbst) zurückgeführt hat? Mit dem Gegenmittel einer Psychotherapie (= Aufklärung der Ursachen plus Neuorientierung) als Heilung?

Die Plausibilität, mit der die SF gerne operiert – damit ist es manchmal auch nicht weit her. Überlichtgeschwindigkeit – ein Ding der Unmöglichkeit im Einsteinschen Raum-Zeit-Kontinuum. Na, dann nehmen wir halt die Abkürzung der Wurmlöcher durch die Raumfalten -

Gut, so etwas ähnliches gesteht die Quantenphysik heute den Grundbausteinen des Universums, den Quanten, schon zu – theoretisch zumindest. Aber ganze Raumschiffe samt lebenden Inhalten?

Und all die tollen Sachen, mit denen James Camerons 3D-Blockbuster Avatar glänzt? Der Persönlichkeitstransfer von Mensch in Na´vi-Körper (= Avatar) funktioniert ja prächtig. Im Film. Aber realiter? Totaler Stuss. Seelenwanderung geht nicht. Passt nicht ins moderne Weltbild der Physik etc. Die Psychologen (meine Zunft) haben sogar die Seele abgeschafft, die da wandern könnte. Heutzutage spricht man bestenfalls von Persönlichkeit als Substrat des Gehirns, diesem neuronalen Netzwerk aus 100 Milliarden Neuronen und dazu tausendmal so vielen synaptischen Verknüpfungen. Was soll da also wandern?

Wenn so ein Persönlichkeits- resp. Seelentransfer wirklich funktionieren würde – dann spricht auch nichts mehr gegen den Transfer einer menschlichen Persönlichkeit (als Super-Information) in einen Computer; die Festplatte muss nur groß genug sein. Es gibt renommierte Informatiker wie Ray Kurzweil, die genau dies glauben. Glauben – wie in der Kirche. 

Oder: Weiterleben nach dem Tod. Warum soll das dann nicht auch funktionieren? Da sind wir dann also mittem im religiösen Quatsch, den uns die Kirchen seit Jahrtausenden einreden wollen.

Es sei denn –

- es gäbe außer Materie/Energie und Information noch ein drittes Substrat der Wirklichkeit, das dies ermöglicht. So etwas Ähnliches wie die Dunkle Materie und die Dunkle Energie, die nach jüngster* Auffassung der Astrophysiker den größten Teil des Universum erfüllen muss. Weil sonst ihre ganzen schönen Gleichungen und Formeln nicht mehr stimmen. Nur wird es eben etwas nochmals völlig anderes sein als dieses Dunkle Zeug, etwas, das wir uns heute nicht einmal im Traum vorstellen können. Etwas, das man vielleicht xytrblk nennen könnte – nein, das denn doch nicht, der Begriff ist schon anderweitig besetzt. Immerhin sind wir jetzt bei meinen Drachen angelangt – die nämlich genau dieses mysteriöse Dritte Substrat nützen um -
* Es ist erst einige Jahrzehnte her, dass Fritz Zwicky 1933 die Idee der Dunklen Materie entwickelte, um bestimmte Unstimmigkeiten in den astronomischen Beobachtungen zu erklären. Und unser modernes physikalsiches resp. naturwissenschaftliches Weltbild ist gerade mal 400 Jahre alt. Wie wird es 400 Jahre in der Zukunft aussehen? Wie in 4.000 Jahren, in vier Millionen? 

Aber mehr sei hier noch nicht verraten. Über die Drachen.

Die Hauptsache ist doch ohnehin nicht in erster Linie, ob so etwas funktionieren würde – sondern ob eine gute Geschichte erzählt wird. Und die hat immer mit dem Familienroman zu tun bzw. mit dem Familien-Drama, also mit den Verstrickungen unseres Lebens mit den Eltern und Geschwistern und der Verwandtschaft und den Nachbarn und den Mitschülern in Kindheit und Jugend. Was man ja naturwissenschaftlich auch nicht gerade exakt erfassen kann (obwohl die Kybernetiker und die Informationspsychologen auch das versucht haben, schon in den 1960-er Jahren). Da sind nämlich Gefühle im Spiel und da ist man mit brauchbaren mathematischen Modellen rasch am Ende.

Gibt es also Unterschiede zwischen Fantasy und Science Fiction? Ja, sicher. Die SF bemüht sich zumindest um wissenschaftliche Plausibilität ihres “Was wäre wenn”. Die Fantasy stellt einfach nur fest, dass Besenreiten und Drachenzähmen funktioniert. Avatar ist dennoch ein exzellenter Film, meine ich. Selbst dann, wenn man nicht an die mystische Vernetzung der Bewohner eines ganzen Planeten glaubt, oder dass zwei Lebewesen aus zwei total verschiedenen Spezies sich ineinander verlieben können. Oder dass ein schwer verkrüppelter und seelisch zutiefst traumatisierter Ex-Marine binnen weniger Monate zum erfolgreichen Anführer einer total fremdartigen Rasse von Aliens mutiert. In Avatar ist das so gut gemacht, dass man es glauben möchte. Und man sich solche Fragen gar nicht erst stellt.

#71 (c) April 2010 Jürgen vom Scheidt / Quelle: xytrblk.com

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