Backstory

(-> 3 ROMAN-WERKSTATT | 11. Mai 2010/08:24) Wenn man die Motive einer Figur in einem Film oder Roman besser verstehen möchte, braucht man Informationen über die Vorgeschichte. Eine gut erzählte Geschichte vermittelt entsprechend viel Informationen und verleiht ihr damit Tiefe. Es liegt auf der Hand, dass der Autor mehr über diese Backstory seiner Figuren wissen muss als der Leser.

Die Backstory (engl. wörtlich: “Hinter[grund-]Geschichte”) vertieft die Dimensionen der Figur einer Erzählung oder eines Films, indem sie die Geschichte vor den beschriebenen Ereignissen resp. zeitlich davor Liegendes andeutet. Die Backstory erläutert also im Grunde jene Geschehnisse, die vor dem Beginn des eigentlichen Plots passiert sind. Dazu gehört insbesondere die Ursache der wound, also der tiefen körperlichen oder / und seelischen Verletzung(en), welche die Hauptfigur erlitten hat.
Es ist jedoch für die Lebendigkeit, die Komplexität und den literarischen Reichtum einer Ezählung hilfreich, wenn nicht nur der Protagonist eine solche Backstory bekommt, sondern auch der Widersacher und alle wichtigen Nebenfiguren. Denn nur so werden deren Handlungen und Motive plausibel und vor allem nachvollziehbare.

Das gilt letztlich sogar für Zeitungsartikel. Inwieweit sie die Backstory zu Ereignissen mitliefern (oder nachreichen – z.B. durch die Details der Gerichtsverhandlung bei einem Kriminalfall) unterscheidet gute von schlechten Publikationen. Beispiel:
Wenn ein Mann vom Dach eines Hochhauses springt und bei der Obduktion herauskommt, dass er kurz vorher Haschisch geraucht hat, wird die schlechte Zeitung wahrscheinlich titeln: “Bekiffter springt von Hochhaus in den Tod!
Das heißt, mit dem Kiffen wird der Suizid “erklärt”. Das ist natürlich Quatsch. Von tausend Kiffern wird vielleicht einer den Todessprung vollziehen.
Die gute Zeitung liefert die Backstory wenigstens im Ansatz mit: “Trieb Verzweiflung Berauschten in den Tod?”
Diese Schlagzeile ist gerade mal drei Anschläge länger. Aber sie deutet ein Motiv für den Suizid und das Kiffen zumindest an (und kann das im eigentlichen Artikel dann weiter ausführen) – eben die Backstory.
Auf diese Weise wird der kausale Zusammenhang (den die erste Schlagzeile suggeriert: Wer kifft, der springt auch in den Tod) der immer (!) viel komplexeren Wirklichkeit angenähert.

Beispiel

[. . .] Beim Anblick der Leiche schlägt Ishido seinem Kollegen vor, etwas Essen zu gehen. Keiko weist ihn zurecht. Ihre professionelle Haltung, die durch ihre Backstory des Einser-Studiums später erklärt wird, kommt hier zum ersten Mal hervor. Keiko besteht auf weitere Untersuchungen, da sie einen Verdacht hat. Ishido ist genervt, da für ihn der Fall klar scheint. Keiko kommt vom Schreibtisch direkt auf die Straße. Sie hat ein ausgezeichnetes Studium und einige Erfolge in der „Verbrechensbekämpfung“( Filmzitat) vorzuweisen. Sie will praktische Erfahrung an den Orten des Geschehens sammeln. Ihr Einstieg in die Mordkommission beginnt mit der Tatortbegehung [. . .]
(Wikipedia: “Nightmare Detective”)


Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nightmare_Detective

#51 (c) Mai 2010 Jürgen vom Scheidt / Quelle: xytrblk.com

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