Jay Skohr
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Wenn man mit 15 erste Kurzgeschichten und mit 17 einen ersten Roman schreibt, spielt man öfter mit der Idee, ein “richtiger Romanschriftsteller” zu werden. In diesem Alter hat man noch die Naivität und Unkompliziertheit, die einem ermöglicht, einfach drauflos zu schreiben, zu experimentieren und zu phantasieren.
Jay Skohr war mein nome de plume, den ich als Jugendlicher manchmal spielerisch benützte, zum Beispiel für unsere Schülerzeitung Der Giselaner. Damit wollte ich ausprobieren, wie das ist: einen “fremden Namen” als Schreibender zu verwenden: ein Pseudonym. Eine Übung, die ich übrigens jedem und jeder empfehle, der/die Romane schreiben möchte.
Als ich später wirklich ein Pseudonym brauchte, weil ich parallel in einem Verlag ein Sachbuch veröffentlichte und in einem anderen Verlag eine Science-fiction-Anthologie (Liebe 2002), wählte ich dann doch einen anderen Federnamen (was das französische Nom de plume für Pseudonym wörtlich bedeutet): Thomas Landfinder. Dass die Hauptfigur meines aktuellen Romans, den ich hier auf der Website schreibe, Thomas Lauffner heißt – nun ja, das ist sicher kein Zufall. Vom Landfinder/Pfadfinder zum…
Aber es muss ja nicht alles ausgeplaudert werden.
Jedenfalls ist Jay schon vor vielen Jahren, in der Jugend, zu einer meiner Inneren Figuren geworden. Soe speziell hilft mir, jene Naivität und Ungezwungenheit von früher wiederzufinden, die sich nicht darum schert, was gute und schlechte, was Unterhaltungs-Literatur und was ernste Literatur ist. Jay versucht einfach, es so gut wie möglich zu machen und so zu schreiben, wie die Romane sind, die er selbst gerne liest – oder endlich mal lesen möchte. Ja, letzteres ist, glaube ich, der eigentliche Witz bei diesem abenteuerlichen Unternehmen.
Wenn ich Kontakt mit dieser Inneren Figur aufnehme, wenn ich mich als heute Siebzigjähriger in diesen Siebzehnjährigen von 1957 hineinversetze (was nach einiger Übung recht gut funktionierte) – dann ist das wie eine Zeitreise*.
* Diese Form der Zeitreise wird wohl die einzige bleiben, die es jemals geben wird. Perfektioniert hat sie übrigens Sigmund Freud, als er seinen Analysanden half, sich an ihre Vergangenheit zu erinnern (was damals , außer Schriftstellern und anderen Künstlern, wohl kaum sonst jemand machte). Passender Zufall, dass im selben Jahr, als Freud die Psychoanalyse erfand (1895, u.a. mit seiner Deutung des Traums von “Irmas Injektion”) Herbert George Wells seinen utopischen Roman Die Zeitmaschine veröffentlichte, welche die erste Zeitreise überhaupt beschreibt.
(Woher dieses Jay stammt? Ganz einfach: Es ist der erste Buchstabe meines Vornamens Jürgen – auf Englisch. Damals, mit 17 folgende, begann ich intensiv, Science fiction im englischen resp. amerikanischen Original zu lesen und fing an, richtig amerikanisch zu denken und – naja – zu fühlen: nämlich so, wie ich es in Filmen (unvergessen Denn sie wissen nicht was sie tun mit James Dean) und in Romanen über junge Leute entdeckte. Den Fänger im Roggen habe ich damals übrigens nicht gelesen. Holden Caulfield wartet noch heute in meinem Bücherschrank auf seine Entdeckung; aber ich habe das Buch jedenfalls, gewissermaßen auf Vorrat. Es gab damals einfach zu viele spannende Science Fiction in den Pocketbooks und Magazinen, die verschlungen werden musste. Und dann war a ja auch noch Camus, den ich sehr schätzte, und ein gewisser Günter Grass mit seiner Blechtrommel.)
#36 (c) April 2010 Jürgen vom Scheidt / Quelle: xytrblk.com