2 Manuskript
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Hier entsteht das MANUSKRIPT zum Roman VERSCHWÖRUNG DER ANDEREN.
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Hier nun der (Roh-)Text, wie er nach der KORREKTUR des DIKTATS aus dem 1 ATHANOR kommt. Erzählende Passagen und solche, die mehr abstrakt Erzähltes skizzieren, wechseln in dieser Phase noch ab. Da muss also noch nachbearbeitet und erzählt werden (dies geschieht hier) :
STURZ IM ENGLISCHEN GARTEN
1 [Exposé]
Beim Spazierengehen im Englischen Garten war Lauffner auf Glatteis gestürzt und hatte sich das rechte Handgelenk verstaucht. Durch diesen Sturz sollte sich sein Leben auf dramatische Weise ändern. Er hatte sich bei der Zeitung eine Auszeit von einem Vierteljahr nehmen wollen, um endlich sein Roman-Projekt anzugehen. Aber die Redaktion stellte ihn frei und bot ihm an, als freier Mitarbeiter weiterhin Artikel zu liefern, “für deren Abnahme wir allerdings keine Garantie geben können”.
Nur widerwillig lässt sich Lauffner auf diese Vereinbarung ein, die es sich leicht sinnigerweise nicht schriftlich geben lässt. Das wird er noch schwer bereuen.
2 [Exposé]
Aber kaum hat er sich von diesem Sturz erholt, als er am 1. März nachts beim Heimkommen in die Seelenstraße jemand dabei überrascht, der sich an der Wohnungstür zu schaffen macht. Nach einem kurzen Gerangel mit dem unbekannten Fremden stößt dieser ihn die Treppe hinunter und flüchtet unerkannt. Lauffner bricht sich bei diesem Kampf das rechte Handgelenk und verletzte sich schwer am rechten Knie. Er muss einige Wochen ins Krankenhaus. Einen Tag bevor die Krankenversicherung ihm als freiberuflich arbeitenden Journalisten Krankengeld bezahlen müsste, entlässt ihn das Krankenhaus als “gesund”.
Lauffner verfällt in eine schwere Depression und liegt zuhause nur noch herum, redet dauernd davon, “meinen Roman zu schreiben”, tut dies jedoch nicht. Das belastet die ohnehin schon sehr schlechte Beziehung zu seiner Frau und seinem Sohn Thomas; seine Tochter Andy hingegen findet es cool: “dass der Papa jetzt einen Roman schreibt”.
3
Manchmal genoss er den Zustand des Krankseins. Die gebrochene rechte Hand machte es ihm zunächst unmöglich, zu schreiben. Also jemandem diktieren? Aber wem? Sita weigerte sich. Und für eine andere Lösung, eine 400-Euro-Hilfskraft, war kein Geld vorhanden. Er simuliert einige Male Schmerzen, die nicht oder kaum vorhanden waren, um Mitleid bei Sita und den Kindern zu erheischen. Gleichzeitig kam es sich dabei lächerlich und kindisch vor – und ließ es bald wieder sein.
4
Mit der Post war ein seltsames Geschenk in die Zieblandstraße gekommen: ein Päckchen, in dem sich eine gläserne Pyramide mit dem Labyrinthsymbol befand. Genau genommen war es der Ariadnefaden, der sprichwörtliche rote Faden, der eine der dreieckigen Seiten der Pyramide zierte. Wenn man einen der kleinen Knöpfe unten an dem separaten schwarzen Podest drückte, fingen seltsame farbige Lichter in nicht durchschaubaren Mustern zu flackern an. Als Absender war eine Lauffner unbekannte Firma in der Schweiz angegeben: eine „Bernd Stein AG“ in Zug.
5
Was konnte der Sinn und Zweck dieses seltsamen Geschenks sein? Dass es sich um ein Geschenk handelte, war rasch klar, denn ein Begleitschreiben in der Schachtel mit dem Briefkopf (samt Firmenlogo Ariadnefaden) bezeichnete den Gegenstand als genau dies. “Warum wir Ihnen dieses Geschenk überreichen, werden sie mit einem weiteren Schreiben von uns erfahren. Nehmen Sie es bitte einfach einmal unbesehen an.”
Was für eine seltsame Geschichte war das? Lauffner spielte eine Weile mit dem etwa zehn Zentimeter hohen gläsernen Objekt herum. Dann legte er es zurück in die kubische schwarze Schachtel, stellte es in einer freien Stelle seines Bücherregals ab und vergaß es.
Als Lauffners seinem Freund Claude beim nächsten Treffen im Café von diesem Geschenk erzählte, wurde der blass und nervös. Auf drängendes Nachfragen wich er nur aus und verabschiedete sich hastig. Er ließ einen ratlosen Lauffner zurück, der irritiert seinen Cappuccino aus trank, seine Tiramisu hinunterschlang und lustlos die Zeitung durchschmökerte, ehe er nach seinen Krücken angelte und sich nachhause schleppte.
6
Auf makabere Weise begann Lauffner Gefallen zu finden an seinem reduzierten Zustand. Schon mit der bandagierten Hand, die er sich eine verstaucht hatte, war er sich sehr bedauernswert vorgekommen. Aber nun erst, mit dem eingegipsten Bein und dem gebrochenen Handgelenk -
7
Er hatte nur endlich einen legitimen Grund gefunden, nichts mehr zu tun zu müssen, was man als “richtige Arbeit” hätte bezeichnen können. Da war eine Weile nichts mehr außer Fernsehen, Lesen, Musik hören, sich DVDs reinziehen, sich einen Kaffee machen und Zeitung lesen und ab und zu heimlich (wenn Sita nicht in der Wohnung war) auf dem Balkon einen Joint zu rauchen, wobei er peinlich darauf achtete, das ihn kein Nachbar dabei beobachtete. Und dann ging es natürlich darum, zu warten, dass die 42 Karenztage vorbei waren und endlich das Krankengeld ausbezahlt würde, in dessen Genuss sie eine lange Zeit zu kommen sich ausmalte. Denn dann würde er endlich die Zeit haben, seinen Roman ernsthaft anzugehen.
8
Als Sita eines Nachmittags früher als besprochen nachhause kam, fand sie es gar nicht lustig, ihn grinsend vor dem auf stumm geschaltet und Fernseher sitzen zu sehen und dann auch noch dumm angeredet zu werden, “weil du keinen Humor hast – das ist doch wirklich wahnsinnig komisch, wie diese Politiker-Typen da den Mund auf und zu machen, ohne dass man hört, was sie quatschen”. Er konnte sich gar nicht mehr ein kriegen vor Lachen, schüttelte sich regelrecht, als wahre Lachsalven durch seinen Körper jagten. Es fehlte nicht viel, und er hätte sich brüllend auf den Boden geworfen, weil er die Komik der Situation anders nicht mehr zu bändigen wusste.
Sita hingegen wusste da schon etwas: Sie nahm einfach die Fernbedienung und schaltete das Gerät samt seinen Höllenlärm ab – denn die Lautstärke war inzwischen von Lauffner auf Maximum hoch gejagt worden).
“Idiot”, zischte sie nur und zog sich in ihr Zimmer zurück. Indes er sich auf dem Sofa zusammenkrümmte und in eine üble düstere Verstimmung versank.
9
Anfangs hatte er sich noch überlegt, seinen Computer aufzurüsten: mit einer Software, die ihm helfen würde, seine Einfälle zu diktieren. Aber die Künstliche Intelligenz war wohl noch nicht so weit. E PA r machte sich nicht die Mühe, das nachzuprüfen.
10
Aber dann geschah etwas Seltsames. Es mochte mit den Joints zu tun haben, die er heimlich rauchte. Jedenfalls begann irgendwann eine Stimme mit ihm zu reden. Diese Stimme gehörte einer Spinne, die sich an einem rot glühenden Faden von der Decke des Arbeitszimmers in Claudes Wohnung in der Zieblandstraße herab ließ , diese kleine Wohnung, in die er sich immer häufiger zum Arbeiten zurückzog.
Er erzählte dieses Erlebnis Claude. Der schaute ihn eine lange Weile seltsam an. Dann sagte er: “Du solltest schleunigst mit dem Kiffen aufhören und rasch wieder auf die Beine kommen.”
“Das hat die Spinne auch gesagt!”
Das ist derzeit (Stand: 28. März 2010) noch etwas im Zustand des xytrblk.
#17 (c) April 2010 Jürgen vom Scheidt / Quelle: xytrblk.com